Bündnis Barrierefrei Region Kassel fordert, Leitsysteme besser zu reinigen und instandzuhalten
Kassel – Barrieren sichtbar machen und Inklusion weiter voranbringen, dafür setzt sich das Bündnis Barrierefrei Region Kassel seit 2022 ein. Viel hat das Netzwerk, in dem sich verschiedene Sozialverbände und Selbstvertretungsorganisationen von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen engagieren, seitdem erreicht. In einem Pressegespräch in der Awo-Geschäftsstelle in der Wilhelmshöher Allee in Kassel präsentierten am Montag Vertreterinnen und Vertreter des Bündnisses die bislang erreichten Ziele, aber auch offene Forderungen.
Positiv sei, dass bei Veranstaltungen in Kassel flachere und breitere Rampen zum Einsatz kommen. So könnten Menschen im Rollstuhl, mit Rollator und mit Kinderwagen Kabelkanäle leichter überwinden. „Unser Dank geht an die Stadt, die seit 2023 in ihren Ausschreibungen diese behindertengerechten Brücken sogar einfordert“, so Michael Schmidt, Sprecher des Bündnisses. Allerdings entstünden auch heute noch unbewusst auf Straßen oder in Gebäuden neue Barrieren. Um dafür den Blick zu schärfen, veranstaltet das Bündnis in Kooperation mit der Uni Kassel seit zwei Semestern Sensibilisierungs-Seminare für Studenten des Fachbereichs Stadtplanung,
Architektur, Landschaftsbau.
An anderen Stellen, die von Menschen ohne Beeinträchtigung oft gar nicht als Barrieren wahrgenommen werden, sehen die Bündnispartner noch dringenden Handlungsbedarf. Insbesondere, wenn es um die Sicherheit von Menschen mit Sehbehinderung geht. Sie fordern von der Stadt Kassel, die taktilen Blindenleitstreifen und kontrastreichen Aufmerksamkeitsfelder auf Gehwegen auch im Herbst und Winter freizuhalten. „Oft sind diese durch Laub, Schmutz, Eis oder Schnee verdeckt und können so von blinden Personen nicht gefunden werden“, erläutert Elke Bublitz. „Die Reinigung und Räumung dieser Systeme müssen deshalb Priorität haben“, ergänzt Birgit Schopmans, die als Blinde selbst auf die Leitstreifen angewiesen ist.
Außerdem ein Problem: Mülltonnen, die achtlos auf Gehwegen abgestellt werden. „Da müssen die Bürgerinnen und Bürger, aber auch das Personal der Stadtreinigung entsprechend sensibilisiert werden“, sagt Birgit Schopmans.
Von der Uni Kassel fordert das Bündnis: „Die auf dem Gelände am Holländischen Platz installierten taktilen Blindenleitstreifen und Aufmerksamkeitsfelder weisen erhebliche Mängel auf, das Material löst sich sogar teilweise auf“, so Gisela Degenhardt.
Wenn Bürgern eine defekte Straßenlaterne oder ein Schaden an Straßen, Plätzen oder Einrichtungen auffällt, können sie das der Stadt über deren Störungsstelle melden – das könnte die Stadt um Barrieren auf Fußwegen erweitern, so das Bündnis.
Info: Um Menschen in Stadt und Landkreis Kassel weiter über das Thema Barrierefreiheit zu informieren, veranstaltet das Bündnis am Freitag, 9.Mai, von 14 bis 18 Uhr im UK 14, Untere Karlstraße 14 in Kassel einen Fachtag. Geplant sind Workshops und ein Auftritt des bekannten, gehörlosen Comedians Okan Seese.
Quellenangabe: Hessische Allgemeine (Kassel-Mitte) vom 05.03.2025, Seite 10